22.09.2026 „Vergessene Opfer"
Filmvorführung und Gespräch
„Vergessene Opfer: Zwangssterilisierungen und Massenmord an Menschen mit Erkrankungen und Beeinträchtigungen zwischen 1933 und 1945“
Zwischen 1939 und 1945 töteten die Deutschen mindestens 250.000 Menschen mit Erkrankungen und Beeinträchtigungen. Bereits ab 1933 ging der NS-Staat durch die Anwendung des „Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ mit repressiven Maßnahmen gegen Menschen vor, die nicht seinen „rassenhygienischen“ Vorstellungen entsprachen und die damit auch nicht Teil der sogenannten „Volksgemeinschaft“ sein sollten. Infolge des Gesetzes wurden während des NS-Regimes schätzungsweise 400.000 Menschen zwangssterilisiert.
Der Dokumentarfilm „Freistaat Mittelpunkt“ (Prädikat besonders wertvoll) berichtet von diesen immer noch kaum bekannten NS-Verbrechen und ihre langanhaltenden Auswirkungen bis in die Gegenwart. Dabei nimmt der Film – und auch dies macht ihn zu einem eindrücklichen Dokument – die subjektive Perspektive eines Betroffenen ein.
Ernst Otto Karl Grassmé bezeugt, was ihm widerfahren ist und was er sich für sein Leben gewünscht hat. In zahlreichen Briefen an eine Jugendliche aus der Nachbarschaft, in der er möglicherweise das Kind gesehen hat, das ihm durch Zwangssterilisation verweigert wurde, erzählt er seine Geschichte. Seine Briefe dokumentieren sein individuelles Leid in der NS Diktatur und die ihm verweigerte „Wiedergutmachung“ im Nachkriegsdeutschland, sie sind aber auch Ausdruck seines Humors und seines Kampfes für ein Leben in Würde.
Nach der Vorführung des Films kommen Kai Ehlers (Regisseur von „Freistaat Mittelpunkt“) und Dr. Carola Rudnick (Leiterin der „Euthanasie“-Gedenkstätte Lüneburg) miteinander ins Gespräch. Moderation: Marc Czichy (Leiter der KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen)
Eine Veranstaltung der KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen in Kooperation mit der „Euthanasie“-Gedenkstätte Lüneburg
Zeit: Dienstag, den 22.9.2026, um 18.30 Uhr
Ort: Bürgerhaus der Stadt Kaltenkirchen, Friedenstraße 9, 24568 Kaltenkirchen
Wir freuen uns über zahlreiches Erscheinen und bitten vorab um eine kurze Anmeldung bis spätestens 21.9.2026 per Mail an
Die Veranstaltung wird durch die Bürgerstiftung Schleswig-Holsteinische Gedenkstätten finanziell gefördert.
Ausschlussklausel:
Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.
Vortrag über die Koloniale Frauenschule Rendsburg
Bericht zur gemeinsamen Veranstaltung der KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen
und der Gedenkstätte Henri-Goldstein-Haus am 10. September 2026
„Die Koloniale Frauenschule Rendsburg“
Am Standort des heutigen Seminar-, Kultur- und Tagungszentrums Nordkolleg befand sich zwischen 1926 und 1945 die Koloniale Frauenschule Rendsburg. Dort wurden junge Frauen im Sinne der kolonialrevisionistischen Ideologie ausgebildet – sowohl in verschiedenen Schulfächern als auch in praktischen Handwerkstätigkeiten. Ziel war es, sie als Trägerinnen des „Deutschtums“ in ehemalige deutsche Kolonialgebiete zu entsenden.
Die Historikerin Joana Schröder (Heimatmuseum Heiligenhafen), die sich im Rahmen eines Ausstellungsprojekts intensiv mit der Geschichte der Kolonialen Frauenschule beschäftigt hat, zeichnete in ihrem interessanten und abwechslungsreichen Vortrag die historischen und politischen Rahmenbedingungen für die Gründung der Schule nach, stellte die handelnden Akteur:innen vor und skizzierte anschaulich die Inhalte der einzelnen Schulfächer sowie die organisatorischen Abläufe des Schulbetriebs. Außerdem verdeutlichte sie die Veränderungen der Erziehungsziele im Sinne des Nationalsozialismus ab 1933.
Zum Abschluss ihres Vortrags warf Joana Schröder einen Blick auf den politischen und gesellschaftlichen Umgang mit der Geschichte der Kolonialen Frauenschule nach 1945 und verwies dabei insbesondere auf die Rolle des Netzwerks ehemaliger Schüler:innen. Abgerundet wurde die Vortragsveranstaltung zudem mit einem ca. 30-minütigen Ausschnitt aus dem Dokumentarfilm „,Wir hatten eine Dora in Südwest“, in dem Absolventinnen der Kolonialen Frauenschule zu Wort kommen und unter anderem ihre Motive für den Schulbesuch schildern.
Olaf Nuckel, Vorsitzender des Trägervereins der Gedenkstätte Henri-Goldstein-Haus, und Marc Czichy, Leiter der KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen, moderierten gemeinsam die gut besuchte Veranstaltung, die im Artur-Grenz-Saal in Quickborn stattfand.
13.09.2026 Tag der offenen Tür
Veranstaltungsankündigung
„Tag der offenen Tür“ an der KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen im Rahmen des bundesweiten „Tags des offenen Denkmals“
Die KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen lädt für Sonntag, den 13.09.26 zwischen 11.00 Uhr und 17.30 Uhr zu einem „Tag der offenen Tür“ ein. Im Kontext des bundesweiten „Tags des offenen Denkmals“ möchten wir interessierten Besucher:innen die Möglichkeit bieten, die KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen und ihre Arbeit kennenzulernen und mehr über die Geschichte des KZ-Außenlagers Kaltenkirchen und zudem über den politisch-gesellschaftlichen Umgang mit dem historischen Ort nach 1945 zu erfahren.
Dazu gibt es über den Tag verschiedene Angebote. Im Rahmen von Filmvorführungen zeigen wir die Filme „Erinnerungen an Roger Remond. Überlebender des KZ Kaltenkirchen“ und „Spot aus – Licht an für Georg Richter“ und geben damit überlebenden Häftlingen des KZ-Außen-lagers und deren Angehörigen Gesicht und Stimme.
Außerdem bieten wir Geführte Rundgänge über das Außengelände der KZ-Gedenkstätte und durch die 2024 neu konzipierte Dauerausstellung an, bei denen die Besucher:innen durch Thomas Saretzki, einem langjährigen Mitarbeiter der KZ-Gedenkstätte, sachkundig und professionell begleitet werden.
Zudem besteht für Besucher:innen die Möglichkeit, mit anwesenden Mitgliedern des Vorstands des Trägervereins der KZ-Gedenkstätte ins Gespräch zu kommen und sich mit diesen über die Arbeit der KZ-Gedenkstätte auszutauschen.
Zeit: Sonntag, den 13. September 2026, von 11.00 Uhr bis 17.30 Uhr
Ort: KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen, OT Springhirsch, an der B4, 24568 Nützen
Ausschlussklausel:
Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschen-verachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.
Besuch von MdB und Kreisverband Die Linke
Besuch von Lorenz Gösta Beutin, Bundestagsabgeordneter der Partei Die Linke, auf der KZ Gedenkstätte Kaltenkirchen
Am Samstag, den 04.07.26, besuchte der Kieler Bundestagsabgeordnete Lorenz Gösta Beutin zusammen mit Mitgliedern des Segeberger Kreisverbands der Partei Die Linke die KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen. 
Im Rahmen seines etwa zweieinhalbstündigen Besuchs informierte Gedenkstättenleiter Marc Czichy Herrn Beutin und seine Begleitung über die Geschichte des KZ-Außenlagers Kaltenkirchen und über den politisch-gesellschaftlichen Umgang mit dem historischen Ort nach 1945. Ein Fokus lag dabei auf einem Rundgang über das Außengelände der KZ-Gedenkstätte und durch die Dauerausstellung.
Es folgte ein längeres Gespräch über Herausforderungen, vor denen die Erinnerungsarbeit in Schleswig-Holstein im Allgemeinen und die KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen im Besonderen stehen: etwa fehlende Busanbindungen für Besucher:innengruppen, knappe öffentliche Mittel und gleichzeitig steigende Erwartungen an zielgruppenorientierte und thematisch ausdifferenzierte Bildungsangebote.
Foto: Vor dem Gebäude der KZ-Gedenkstätte von links: Lorenz Gösta Beutin und Marc Czichy (Foto: KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen)
Lorenz Gösta Beutin lobte die engagierte und ambitionierte Bildungs- und Vermittlungsarbeit der KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen. Sie sei in Zeiten, in denen die Demokratie von rechts immer stärker unter Druck gerät, wichtiger denn je. Zum Abschluss seines Besuchs übergab er eine Spende des Vereins der Bundestagsfraktion in Höhe von 550,00 Euro.
Marc Czichy dankte Herrn Beutin und seiner Begleitung ausdrücklich für den Besuch und für die großzügige finanzielle Unterstützung der KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen.
Veranstaltung der KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen zum 08. Mai 2026
Vortrag und Gespräch
„Vor der Erinnerung – Die Außenlager des KZ Neuengamme und ihre Nachgeschichten 1945–1992“
Anlässlich des 81. Jahrestages des Kriegsendes und der Befreiung vom Nationalsozialismus am 08. Mai 1945 luden die KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen und ihr Trägerverein gemeinsam mit dem Initiativkreis 08. Mai in Schleswig-Holstein am vergangenen Donnerstag in das Bürgerhaus der Stadt Kaltenkirchen ein.
Die sehr gut besuchte Veranstaltung wurde durch ein Grußwort von Beate Raudies, der Vizepräsidentin des Schleswig-Holsteinischen Landtags eingeleitet. Sie erinnerte daran, dass der 08. Mai 1945 die Voraussetzung für die freiheitliche Demokratie gewesen sei, in der wir heute leben, und dass genau deshalb niemals zugelassen werden dürfe, dass Geschichte relativiert oder umgedeutet wird. Zudem betonte Frau Raudies – nicht zuletzt vor dem Hintergrund eines erstarkten Rechtsextremismus – die besondere Relevanz einer lebendigen und vielfältigen Erinnerungskultur.
Thematisch ging es Rahmen der Veranstaltung um die Außenlager des Konzentrationslagers Neuengamme und ihre Nachgeschichten, also um den politischen, gesellschaftlichen und justitiellen Umgang mit den historischen Verbrechensorten nach 1945.
Der Historiker Dr. Maik Ullmann hat in seiner Dissertation anhand von 15 ausgewählten Fallbeispielen der mehr als 85 Neuengammer Außenlager die unterschiedlichen Formen der direkten Nachnutzung nach 1945, erste Ansätze der Spurensuche und zudem die politischen Auseinandersetzungen in den Blick genommen, die der Etablierung von Gedenkstätten und Erinnerungsorten vorausgingen. In seinem Vortrag erläuterte Ullmann anhand des Fallbeispiels des KZ-Außenlagers Salzgitter-Drütte die Rollen der beteiligten erinnerungskulturellen Akteur:innen und die politischen und sozialen Dynamiken, die den erinnerungskulturellen Aushandlungsprozessen vor Ort zugrunde lagen. Eindrücklich schilderte er die herausragende Bedeutung der Erinnerungsleistung und des politischen Engagements der Überlebenden für die Implementierung einer lokalen und oftmals auch durch Gedenkstätten institutionalisierten Erinnerungskultur an den Orten der früheren Außenlager. Zusammenfassend machte Maik Ullmann deutlich, dass der Ost-West-Konflikt Formen des Umgangs mit den historischen Orten der Außenlager in starkem Maße geprägt hätte. Erst dessen Ende hätte eine nachhaltige erinnerungskulturelle Entwicklung in der Bundesrepublik Deutschland ermöglicht, die wiederum eine notwenige Voraussetzung für die Etablierung von arbeitenden Gedenkstätten an den historischen Orten der Neuengammer Außenlager gewesen sei.
In einem von Marc Czichy moderierten Gespräch diskutierten Uta Körby, die Ehrenvorsitzende der Landesarbeitsgemeinschaft Gedenkstätten und Erinnerungsorte in Schleswig-Holstein, und Maik Ullmann anschließend die Thesen des Vortrags und kontextualisierten diese mit der nachholenden Erinnerungskultur in Schleswig-Holstein. Dem Gespräch folgte ein anregender Austausch mit den Publikum.