Veranstaltung der KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen zum 08. Mai 2026
Vortrag und Gespräch
„Vor der Erinnerung – Die Außenlager des KZ Neuengamme und ihre Nachgeschichten 1945–1992“
Anlässlich des 81. Jahrestages des Kriegsendes und der Befreiung vom Nationalsozialismus am 08. Mai 1945 luden die KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen und ihr Trägerverein gemeinsam mit dem Initiativkreis 08. Mai in Schleswig-Holstein am vergangenen Donnerstag in das Bürgerhaus der Stadt Kaltenkirchen ein.
Die sehr gut besuchte Veranstaltung wurde durch ein Grußwort von Beate Raudies, der Vizepräsidentin des Schleswig-Holsteinischen Landtags eingeleitet. Sie erinnerte daran, dass der 08. Mai 1945 die Voraussetzung für die freiheitliche Demokratie gewesen sei, in der wir heute leben, und dass genau deshalb niemals zugelassen werden dürfe, dass Geschichte relativiert oder umgedeutet wird. Zudem betonte Frau Raudies – nicht zuletzt vor dem Hintergrund eines erstarkten Rechtsextremismus – die besondere Relevanz einer lebendigen und vielfältigen Erinnerungskultur.
Thematisch ging es Rahmen der Veranstaltung um die Außenlager des Konzentrationslagers Neuengamme und ihre Nachgeschichten, also um den politischen, gesellschaftlichen und justitiellen Umgang mit den historischen Verbrechensorten nach 1945.
Der Historiker Dr. Maik Ullmann hat in seiner Dissertation anhand von 15 ausgewählten Fallbeispielen der mehr als 85 Neuengammer Außenlager die unterschiedlichen Formen der direkten Nachnutzung nach 1945, erste Ansätze der Spurensuche und zudem die politischen Auseinandersetzungen in den Blick genommen, die der Etablierung von Gedenkstätten und Erinnerungsorten vorausgingen. In seinem Vortrag erläuterte Ullmann anhand des Fallbeispiels des KZ-Außenlagers Salzgitter-Drütte die Rollen der beteiligten erinnerungskulturellen Akteur:innen und die politischen und sozialen Dynamiken, die den erinnerungskulturellen Aushandlungsprozessen vor Ort zugrunde lagen. Eindrücklich schilderte er die herausragende Bedeutung der Erinnerungsleistung und des politischen Engagements der Überlebenden für die Implementierung einer lokalen und oftmals auch durch Gedenkstätten institutionalisierten Erinnerungskultur an den Orten der früheren Außenlager. Zusammenfassend machte Maik Ullmann deutlich, dass der Ost-West-Konflikt Formen des Umgangs mit den historischen Orten der Außenlager in starkem Maße geprägt hätte. Erst dessen Ende hätte eine nachhaltige erinnerungskulturelle Entwicklung in der Bundesrepublik Deutschland ermöglicht, die wiederum eine notwenige Voraussetzung für die Etablierung von arbeitenden Gedenkstätten an den historischen Orten der Neuengammer Außenlager gewesen sei.
In einem von Marc Czichy moderierten Gespräch diskutierten Uta Körby, die Ehrenvorsitzende der Landesarbeitsgemeinschaft Gedenkstätten und Erinnerungsorte in Schleswig-Holstein, und Maik Ullmann anschließend die Thesen des Vortrags und kontextualisierten diese mit der nachholenden Erinnerungskultur in Schleswig-Holstein. Dem Gespräch folgte ein anregender Austausch mit den Publikum.
19.4.2026 Gedenkveranstaltung in Kaltenkirchen zum Todesmarsch 1945
Veranstaltungsankündigung
Vor 81 Jahren: Der Mord an zwei Häftlingen mitten in Kaltenkirchen
Eine Gedenkveranstaltung der KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen, der Stadt Kaltenkirchen und der Kaltenkirchener Demokratie-Werkstatt e.V.
Der Todesmarsch Hamburg-Kiel vom Polizeigefängnis Fuhlsbüttel zum „Arbeitserziehungslager“ Nordmark bei Kiel begann am 12.04.1945 und dauerte vier Tage. Etwa 800 Häftlinge wurden in vier Kolonnen nach Norden getrieben. Das erste Quartier des Todesmarsches war in Kaltenkirchen. Ein Teil der Häftlinge wurde in „Hüttmanns Gasthof“ in der Schützenstraße untergebracht, eine andere Häftlingsgruppe wurde in dem in direkter Nachbarschaft im Ortszentrum gelegenen Hof des Bauern Bernhardt Möller einquartiert.
Am Morgen des 13.04.1945 verübte die SS in Kaltenkirchen zwei Morde. In „Hüttmanns Gasthof“ wurden der am 01.12.1910 in Rostock geborenen Hugo Kochendörffer und Peter Josef Beck, geboren am 30.10.1908 in Ober-Roden, erschossen.
Mit der Gedenkveranstaltung möchten wir gemeinsam an Hugo Kochendörffer und Peter Josef Beck erinnern und den weiteren sieben, uns bekannten Menschen gedenken, die während des Todesmarsches ermordet worden sind. Zudem gedenken wir allen Menschen, die während des Todesmarsches geschunden und gequält worden sind.
Fred Zimmak wird für die Angehörigen der Überlebenden des Todesmarsches sprechen. Zudem werden Stefan Bohlen, der Bürgermeister der Stadt Kaltenkirchen, und Peter Stoltenberg, der Präsident des Schleswig-Holsteinischen Heimatbundes, ein Grußwort sprechen. Für die KZ Gedenkstätte Kaltenkirchen wird der Historiker Thomas Käpernick einen Redebeitrag halten.
Anschließend wird eine neue Gedenktafel eingeweiht, die dem aktuellen Forschungsstand entspricht.
Die Gedenkveranstaltung findet am Sonntag, den 19.04.2026, um 11.00 Uhr am Ort der Gedenktafel
(Am Grünen Markt – Ecke Schützenstraße) in Kaltenkirchen statt.
Die Gedenkveranstaltung ist Teil einer Reihe von Veranstaltungsaktivitäten zum Gedenken an den Todesmarsch Hamburg – Kiel im April 1945
Ausschlussklausel:
Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechts extremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.
16.04.26 Vortrag Dr. Reimer Möller
Veranstaltungsankündigung
Vortrag
„Gewaltverbrechen in der Endphase des NS-Regimes in Schleswig-Holstein – neue Forschungsergebnisse zu Todesmärschen und zur Cap-Arcona-„Katastrophe“
Der Historiker Dr. Reimer Möller beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Thema NS-Endphasen-Verbrechen in Schleswig-Holstein. Im Rahmen eines Forschungsauftrags der Bürgerstiftung Schleswig-Holsteinische Gedenkstätten hat er sich aktuell noch einmal intensiv mit den Transporten von Häftlingen aus dem KZ Neuengamme nach Lübeck und deren Verbringung auf in der Lübecker Bucht auf Reede liegenden Schiffen im April/Mai 1945 befasst. Dabei nahm er insbesondere Befehlsstrukturen zu Kriegsende und daraus resultierende Entscheidungsprozesse in den Blick, aus denen sich erklärt, weshalb nach der Räumung des KZ Neuengamme der Transport der Häftlinge auf Schiffe in der Lübecker Bucht erfolgte. Seine Forschungsergebnisse wird Reimer Möller im Rahmen seines Vortrags vorstellen.
Zudem geht er in seinem Vortrag auf verschiedene Räumungstransporte von KZ-Häftlingen und Gefangenen aus NS-Haftstätten ein, die im Winter und Frühjahr des Jahres 1945 durch Schleswig-Holstein führten oder dort endeten. Er erläutert, warum diese Räumungstransporte in der Endphase des NS-Regimes erfolgten. Und er erklärt, warum sie in der Regel zu Todesmärschen wurden, die durch die Brutalität der Aufseher von SS und Polizei und durch hohe Zahlen von Todesopfern gekennzeichnet waren. Abschließend wirft Reimer Möller einen Blick auf die juristische Ahndung dieser Verbrechen nach 1945 und fragt nach dem Platz der NS-Endphasen-Verbrechen in der bundesdeutschen Erinnerungskultur.
Die Veranstaltung der KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen und findet am Donnerstag, den 16.04.2026, um 18.30 Uhr in den Räumlichkeiten der KZ-Gedenkstätte, OT Springhirsch, an der B4, 24568 Nützen statt.
Wir freuen uns über zahlreiches Erscheinen und bitten vorab um eine kurze Anmeldung bis spätestens 14.04.2026 per Mail an
Die Vortragsveranstaltung ist Teil einer Reihe von Veranstaltungsaktivitäten zum Gedenken
an den Todesmarsch Hamburg – Kiel im April 1945
Ausschlussklausel:
Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.
Veranstaltung der KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen zum 27. Januar 2026
Menschenrechte in Vergangenheit und Gegenwart oder
„das Recht, Rechte zu haben!“ (Hannah Arendt)
Anlässlich des Tags des Internationalen Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar 2026 – dem 81. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungs- und Konzentrations lagers Auschwitz durch die Rote Armee – luden die KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen und ihr Trägerverein am vergangenen Dienstag in den Ratssaal der Stadt Kaltenkirchen ein.
Im Mittelpunkt der diesjährigen Gedenkveranstaltung stand das Thema Menschenrechte in Vergangenheit und Gegenwart. Die Schülerinnen und Schüler der Klasse 10b der Gemein schaftsschule am Marschweg hatten gemeinsam mit der Pädagogin Wencke Stegemann und ihrem Lehrer Dominik Zuk eine sehr eindrucksvolle inhaltliche und visuelle Präsentation und Performance zu diesem Thema erarbeitet.

Die Schülerinnen und Schüler der Klasse 10b der Gemeinschaftsschule am Marschweg mit Artikeln aus der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“ Foto: KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen
Anhand der einzelnen Artikel der Allgemeinen Erklärung Menschenrechte, die als direkte Konsequenz aus den NS-Gewaltverbrechen im Dezember 1948 verabschiedet worden war, veranschaulichten die Schülerinnen und Schüler die Menschenrechtsverletzungen, denen Werner Eckstein, Überlebender des KZ-Außenlagers Kaltenkirchen, ausgesetzt war und stellten sie damit in einen konkreten biografischen Kontext. Sie stellten zudem einen sehr reflektierten und angemessenen Bezug zur Gegenwart her, in dem sie aktuelle Menschenrechtsverletzungen in den Blick nahmen und die Bedeutung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte für die heutige Zeit sichtbar machten. Die Schüler innen und Schüler präsentierten ihre Inhalte sehr engagiert, inhaltlich fundiert und zudem mit großer Empathie. Sie machten damit eindrücklich deutlich, dass sie die NS-Vergangenheit und das Thema Menschenrechte etwas angeht.
Marc Czichy, Leiter der KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen, zog in einem Input eine Bilanz zu 30 Jahren „Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus“. Er machte dabei deutlich, dass erst die aktive zivilgesellschaftliche Aneignung, die inzwischen in vielen hundert Veranstaltungen rund um den 27. Januar ihren Ausdruck findet, den Gedenktag zu einem wichtigen Fixpunkt der bundesdeutschen Erinnerungskultur gemacht habe.
Zur gelungenen Veranstaltung trug deren musikalische Begleitung durch die Sängerin und Gitarristin Alexandra Lachmann bei. Sie begeisterte das Publikum mit einer abwechslungs reichen Facette von Musikstücken und sehr intensiven Darbietungen.
Hans-Jürgen Kütbach, Vorsitzender des Trägervereins der KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen, und seine Stellvertreterin, Indre Schmalfeld, konnten sich über eine gut besuchte Veranstaltung ebenso freuen, wie über ein Grußwort des Kaltenkirchener Bürgermeisters Stefan Bohlen.
Sowohl Kütbach als auch Bohlen warnten in ihren Grußworten davor, dass der über Jahrzehnte gewachsene gesellschaftlich Konsens darüber, dass die Erinnerung an die NS-Verbrechen konstitutiv für unser Zusammenleben in einer demokratischen und offenen Gesellschaft ist, zunehmend unter Druck gerät. Beide warben vor dem Hintergrund dieser Entwicklung für ein verstärktes zivilgesellschaftliches Engagement zur Verteidigung und Stärkung unserer Demokratie.
Die hohe Anerkennung und Wertschätzung, welche die Arbeit der KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen von politischer Seite erfährt, wurde durch die Teilnahme einer Vielzahl von kommunalpolitischen Vertreter:innen aus den Kreisen Pinneberg und Segeberg unterstrichen.
Vortrag Andras Speit "Autoritäre Rebellion" am 23.9.2025
Buchvorstellung und Vortrag
„Autoritäre Rebellion: wie antimoderne Reflexe breite Schichten der
Gesellschaft erfassen und sie immer weiter nach rechts rücken“
Andreas Speit geht in seinem neuesten Buch einer Entwicklung nach, die auch die KZ- Gedenkstätte Kaltenkirchen bewegt, nämlich der starken Verschiebung des politischen und gesellschaftlichen Koordinatensystems nach rechts, die eine politische Herausforderung und gleichzeitig ein Angriff auf die demokratischen Werte ist, welche die KZ-Gedenkstätte vertritt.
Teil dieser Entwicklung ist, dass der über Jahrzehnte gewachsene gesellschaftliche Konsens darüber, dass die Erinnerung an die NS-Verbrechen konstitutiv für unser Zusammenleben in einer demokratischen und weltoffenen Gesellschaft ist, zunehmend erodiert. Jens-Christian Wagner, der Leiter der KZ-Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, spricht in diesem Zusammenhang von einem „erinnerungskulturellen Klimawandel“.
Der Journalist, Publizist und Rechtsextremismusexperte Andreas Speit liest aus seinem neuesten Buch „Autoritäre Rebellion“, in dem er analysiert, wie Verschwörungsdenken, Antisemitismus und autoritäre Einstellungen in der Mitte der Gesellschaft wachsen. In einem zweiten Teil seines Vortrages berichtet Speit über die Entwicklung des Rechtsextremismus in Schleswig-Holstein in den vergangenen 12 Jahren. Im Fokus seiner Ausführungen steht dabei der Landesverband der AfD. Speit beleuchtet insbesondere die Bedeutung des Themenfelds Geschichts- und Erinnerungspolitik für die AfD und die Netzwerkarbeit der AfD gegenüber Medien, Institutionen und Einzelpersonen der sog. „Neuen Rechten“. Zudem analysiert und bewertet er das Wahlergebnis des Schleswig-Holsteinischen Landesverbands der AfD bei der Bundestagswahl vom 23.02.2025.
Die Veranstaltung ist Teil einer Veranstaltungsreihe zum 25-jährigen Jubiläum der KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen
und findet am Dienstag, den 23.09.2025, um 18.30 Uhr im Bürgerhaus der Stadt Kaltenkirchen,
Friedenstraße 9, 24568 Kaltenkirchen statt.
Wir freuen uns über zahlreiches Erscheinen und bitten vorab um eine kurze Anmeldung bis spätestens 21.09.25 per Mail an
Ausschlussklausel:
Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.